Verletzte Schönheit Stettin

Stettin (Szczecin) ist eine Kulturmetropole, die sich in Bescheidenheit übt. Keine protzigen Yachten und Luxusmeilen. Preußischer Glanz und Gloria haben die wechselvolle und schmerzhafte Geschichte Stettins nicht geprägt. Stettins Schönheit blüht im Verborgenen. Diese zu entdecken lohnt sich! Wo du modernes Leben und historische Momente bei einer Kurzreise nach Stettin erlebst, habe ich für dich entdeckt.

Los geht es mit einer Stadtführung mit „Magnolia Tours“. Sehr informativ, kurzweilig und individuell kommt man so schnell an die wichtigsten Plätze. Dabei hat uns die sympathische Stadtführerin mit viel Liebe das Wichtigste über ihre Stadt erzählt.

Das „Rote Rathaus“ brannte im Krieg vollständig aus und wurde originalgetreu, im Stile der Rathausarchitektur der spätmittelalterlichen Hansestädte, wieder aufgebaut. Es beherbergt heute mehrere Seedienststellen. Die vier Skulpturen am imposanten Backsteingebäude symbolisieren das „Wissen“, die „Wirtschaft“, die „Landwirtschaft“ und den „Seehandel“.

Von hier aus ist es nicht weit zur Oder und zur berühmten Hakenterrasse. Rote Linien auf den Wegen führen wissbegierige Besucher zu den wichtigsten Plätzen, an denen auch Schautafeln ausführlich über die Geschichte informieren. Wie in jeder Stadt, die am Wasser liegt, ist der Hafen immer ein besonderer Anziehungspunkt. In Stettin ist es die Hakenterrasse an der Oder, die zum Flanieren einlädt und mit Kunst und Kultur aufwartet. Benannt ist sie nach dem damals regierenden Oberbürgermeister Hermann Haken, der sich für die Stadt maßgeblich engagiert hat.

Neben dieser imposanten Hafenanlage besticht die Stadt auch durch wunderschöne Parks und Plätze. Hinter dem grünen Gebäude der Stadtverwaltung erstreckt sich der Platz und Park „Jasne Blonie im J. Pawla II“. Hier wurde Papst Johannes Paul II. ein Denkmal gesetzt. Eindrucksvoll, weitläufig und eingerahmt von ca. 200 alten Platanen. Nicht weit von hier steht das Generationen-Denkmal „Tat der Polen“. Drei aufsteigende Adler symbolisieren drei Generationen. Die erste Generation, die nicht freiwillig kam, die zweite Generation für die Gegenwart und die dritte Generation für die Zukunft.

Das Denkmal Papst Johannes II. erinnert an seinen Besuch in Szczecin 1987.

Besonders stolz sind die Stettiner auf die neue Philharmonie. 2014 wurde sie für ca. 30 Millionen Euro errichtet. Das spanische Architekturbüro aus Barcelona hat dafür 2015 den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur erhalten, den renommierten Mies van der Rohe Award. Ganz in weißem Milchglas gehalten ohne Fenster, fällt das Licht nur über das Glasdach ins Gebäude. Für mich eine Muschel, die eine Perle mit Musik enthält. Abends erstrahlt die „Filharmonia“ festlich in rotem und weißem Lichterglanz – den polnischen Nationalfarben. Mein Geheimtipp: Ganz oben gibt es eine kleine Kunstgalerie. Im November hatte ich das Glück die Bilder von Adam Marczukiewicz zu bestaunen.

Ein Kleinod der Stadt: die Philharmonie Foto: Anke Sch.

Direkt an der Philharmonie steht der neogotische Bau des Polizeipräsidiums. Wenn man das Innenleben des Gebäudes ausblendet, stehen historische und moderne Architektur nebeneinander. Hier, auf dem Platz „Solidarnosci“, läufst du quasi auf bewegender, polnischer Geschichte. Denn unter dem Platz befindet sich das „Centrum Dialogu Przelomy“ (Dialogzentrum der Umbrüche). Das Dialogzentrum ist eine Abteilung des Nationalmuseums Stettins. Die jüngste Geschichte Stettins, Pommerns, Polens und der Welt von 1939 bis 1989 wird dargestellt. Kunstwerke, Filme und Videoprojekte lassen Geschichten und Schicksale lebendig werden.

Der Turm des Hotel- und Bürokomplexes ist ein guter Orientierungspunkt im Zentrum der Stadt.

Wir spazieren weiter durch die Stadt, wobei uns die breiten Straßen und großzügig angelegten Boulevards auffallen. Dadurch wirkt die Hafenstadt mit ihren ca. 400.000 Einwohnern entspannt, modern und einladend. Denn während der Stadttour gibt es zahlreiche Cafés und Restaurants, die zum Ausruhen und Genießen einladen.

Kennengelernt habe ich das „Karczma Polska Pod Kogutem“ mit deftiger polnischer Küche und das Restaurant „Christopher Columbus“ am Hafen. Beides kann ich empfehlen.
Unser aller Lieblingscafé ist das „Café 22“ im Turm des Pazim Centers (22. Etage).

Restaurant „Karczma Polska Pod Kogutem“ mit deftiger polnischer Küche Foto: Jörg M.

Du findest nicht Glanz und Gloria in Stettin, sondern eine Stadt, die sich neu erfinden musste. Architektonische Zeugen aller Epochen stehen beieinander. Das sieht nicht immer kunstvoll aus, doch gerade das macht die Stadt authentisch und liebenswert.

Der Heumarkt in Stettin. Ein wenig Altstadtstimmung mit netten Restaurants.

Das beste Eis in der Stadt: Castellari - am gemütlichsten auf der Springbrunnenallee Papieża-Jana-Pawła II.-Allee in Richtung Grunwaldzki-Platz

Entspannt Café oder Cocktail trinken am Hafen: Kitchen&Bar Stockholm, Bulwar Piastowski 1

Polnische Küche: Szczecin 70-414, pl. Lotników 3: „Karczma Polska Pod Kogutem“

Polnisches Bier und gute Küche: Ein Brauhaus mit sehr guter Küche ist das Stara Komenda (Alte Kommandantur), Plac Batarego 3. Eine Bierverkostung mit  Stadtführerin Monika macht Bier zum Erlebnis. Brauhaus: Stara Komenda

Hotel: Wir haben im „ibis Szczecin Centrum“ preiswert und gut übernachtet. Ein modernes Stadthotel, welches super geeignet ist, um die Kulturmetropole zu Fuß zu erkunden.

Shopping: Eigentlich wollten wir nur die Reste der Stadtmauer (im Buchladen, Untergeschoss des Einkaufszentrums Kaskada) besichtigen, doch dann war es um uns Frauen geschehen. Es gab auch noch so schöne Taschen und Schuhe zu sehen.

"Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch in Stettin. Dann möchte ich ein Konzert in der Philharmonie erleben, die Jakobskathedrale besuchen, das Schloss der Pommerschen Herzöge besichtigen und über den Heumarkt spazieren.", schrieb ich im November 2018. Dieses Jahr habe ich alle meine Wünsche erfüllt. Denn Stettin ist mehr als eine Reise wert.

Zu weiteren Sehenswürdigkeiten

Auf nach Stettin! Schreib mir doch, was die Stadt für dich besonders macht.

Buchladen mit Stadtmauer im Einkaufszentrum Kaskada

Mai 2019/November 2019

 

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