Meissen – Kobaltblau auf weißem Gold

Oder auch Zwiebelmuster genannt. Mein einziges Zwiebelmusterstück ist eine alte Kaffeekanne. Doch leider zieren nicht die blauen Schwerter ihren Grund, sondern der Stempel der Fabrik Kahla. Egal; in jeden guten Haushalt gehörte lange Zeit das blaubemalte Tafelgeschirr.

Bereits im 17. Jahrhundert war der europäische Adel ganz verrückt nach feinem chinesischen Porzellan. Die Zwiebel, das sind eigentlich Granatäpfel und Pfirsiche, welche im fernen Osten Fruchtbarkeit und Langlebigkeit symbolisieren. Ganz im Sinne August des Starken, der gerne mit seiner Kraft und Mannesstärke protzte. Sein ausschweifender Lebensstil musste finanziert werden. So kommt ihm der Goldruf des Alchimisten Johann Friedrich Böttger sehr gelegen. Dieser floh vor den Preußen, die ihn als Goldmacher für sich arbeiten lassen wollten, nach Wittenberg. Doch statt nach seiner Apothekerlehre hier Medizin zu studieren, geriet er in die Fänge des sächsischen Kurfürsten. Als Gefangener in Dresden und auf der Festung Königstein sollte er Gold herstellen.

Nach vergeblichen Experimenten und einer misslungenen Flucht nach Wien wird Böttger, im Jahr 1704, unter die Aufsicht des Mathematikers und Physikers Ehrenfried Walther Graf von Tschirnhaus gestellt. Systematische Versuchsreihen mit sächsischer Tonerde führen zum Erfolg. Im Januar 1708 wird das erste weiße, europäische Porzellan gebrannt.
August der Starke gründet 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur in Meißen. Die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich Sächsische Porzellan-Manufaktur“ produziert den begehrten Luxus. Leiter der Manufaktur wird Johann Friedrich Böttger. Auf der Albrechtsburg, wird das Geheimnis der Porzellanherstellung streng gehütet; doch es werden weitere Manufakturen in Europa gegründet. Bereits 1722 entstand das Markenzeichen mit den blauen gekreuzten Schwertern, um das echte Meissener Porzellan unverwechselbar zu machen.

150 Jahre brannten und bemalten fleißige Handwerker das weiße Gold auf der Albrechtsburg. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Produktionsstätte ins Triebischtal verlegt. Dort wird noch heute produziert. Die 300-jährige Geschichte zeigt die Staatliche Porzellan-Manufaktur in Schauwerkstätten und im Museum. Meissener Porzellane, die nicht nur schönstes Porzellan für feine Tischgesellschaften waren, sondern auch Porzellanfiguren, die das gesellschaftliche Leben zu Zeiten des Kurfürsten zeigen.
Die Sonderausstellung des Porzellangestalters Paul Scheurich (*1883 in New York, †1945 in Brandenburg) ist noch bis zum 21.02.2021 zu bewundern.

Ich empfehle dir, deine Besichtigungstour im Triebischtal, in der Porzellanmanufaktur zu beginnen. Filme zur Geschichte und der Besuch der Schauwerkstatt stimmen auf weitere historische Entdeckungen ein. Das Museumscafé serviert auf Meissener Porzellan feinste Stärkungen, sodass es zu Fuß auf den Burgberg weitergehen kann. 40 Meter über der Elbe wurde hier, im Jahr 929, Sachsen gegründet.

Der malerische Anblick von Albrechtsburg, Dom und Bischofsschloss fasziniert jeden Meißenbesucher. Um das Ensemble zu entdecken, lohnt es sich, genügend Zeit einzuplanen. Die vielen Zimmer der Burg, mit ihren Möbeln, Gemälden und Öfen, fesselten mich von Raum zu Raum mehr und ließen mich die Zeit vergessen.

Deshalb komme ich bald wieder. Denn Meissen an einem Tag habe ich nicht geschafft.

„Warum willst du denn in weiter Ferne suchen, was du in deiner Nähe haben kannst?“ Meinte schon Adrian Ludwig Richter, der gebürtige Dresdener Maler und Zeichner. 1828 kam er als Lehrer der Staatlichen Zeichenschule nach Meißen und unterrichtete die Manufaktur-Maler.

Hier die Links, für weitere Informationen:

Albrechtsburg

Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen

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